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Zapf ist wieder im Lot
Zapf ist wieder im Lot
Bayreuth, 14.07.2008
von Frank Schmälzle
Wechselnde Eigentümer und Geschäftsführungen mit geringer Halbwertszeit: Diese Art Turbulenzen hat Zapf hinter sich. Seit einem halben Jahr führen Heinrich Büsing und Henning Voss die Geschäfte des großen Bayreuther Bauunternehmen. Sie haben die Firma auf Kurs gebracht.
„Ich war eine Heuschrecke“, sagt Heinrich Büsing. Aus dem Zapf-Beirat wechselte Heinrich Büsing in die Geschäftsführung. Jetzt bringt er das Unternehmen auf Kurs.
„Unser Ziel ist es, Zapf insgesamt zu optimieren“, sagt Büsing in einem KURIER-Gespräch. Die Weichen dafür sind gestellt. Das Unternehmen ist jetzt in drei klare Bereiche gegliedert. Die einst selbstständigen Segmente Bau und Wohnen haben ein gemeinsamen Dach und einen Chef. Peter Sarta ist der Neue in der Führungsriege. Der Bereich Garagen, weiter in Verantwortung von Reinhard Uhl, konzentriert sich der Gesamtstrategie folgend auf den Vertrieb. Und auch die Produktion in vier Werken, von denen der Standort
Weidenberg
das größte ist, macht einen eigenen Unternehmensbereich aus.
Straffe Struktur
Die straffere Struktur tut dem Unternehmen gut, sagt Büsing. Der Garagenabsatz müsste eigentlich dem bundesweiten Trend nachlassender Bautätigkeit bei Einfamilienhäusern folgen – doch das tut er nicht. Vielmehr hält das Garagengeschäft das Vorjahresniveau, was Büsing „einen Riesenerfolg“ nennt.
Aufwärts geht es in den Werken – auch wenn in Weidenberg nach eher fragwürdiger Vorratsproduktion zum Jahresende 2007 jetzt Kurzarbeit ansteht. Unter Leitung von Ulrich Kluge steigt das Unternehmen in das Geschäft mit konstruktiven Fertigteilen ein. Vorteil für Zapf: Die Nachfrage ist groß, binnen vier Wochen hat die Firma Aufträge mit einem Volumen von drei Millionen Euro an Land gezogen. Und: Im Weidenberger Werk lassen sich die begehrten Teile fertigen, ohne dass zusätzlich investiert werden muss. „Wir
analysieren
das Marktsegment gerade und bauen es dann gezielt aus“, sagt Büsing.
Bau und Wohnen gehen koordinierter vor und erschließt mit dem Segment der Eigentumswohnungen einen Markt, den Zapf einst schon mal beackert hatte. Im Raum München entstehen unter Zapf-Regie gerade 20 Wohnungen, im Großraum Köln/Düsseldorf noch einmal so viele. Bei den Reihen- und Doppelhäusern wird das Bayreuther Unternehmen heuer voraussichtlich 150 Einheiten fertigstellen und verkaufen. Im nächsten Jahr soll die Zahl auf 230, danach noch deutlich weiter ansteigen. Voraussetzung dafür: Zapf kauft wieder Grundstücke
ein und hat seine internen Entscheidungswege drastisch verkürzt.
Und noch eine einschneidende Veränderung hat die Geschäftsführung durchgesetzt: Das Heer an externen Beratern, das Zapf zuletzt mehr belastete als dem Unternehmen zu nutzen, haben Büsing und Voss nahezu komplett entfernt. „Ich bin nicht generell gegen Berater, wenn ihre Leistung Sinn macht“ so Büsing. Sinnvoll erschien es ihm, seine Planung für die Jahre 2008 und 2009 extern bewerten zu lassen. Die unabhängigen Analysten bestätigten Büsings Prognose: 2008 wird Zapf schwarze Zahlen schreiben.
2009 sollte ohne
Sondereffekte und dann auch ohne das Riesenprojekt Netzaberg „ein Überschuss von einigen Millionen aus eigener Kraft drin sein“. In knapp zwei Wochen wird Büsing den Gesellschaftern des Unternehmens zudem eine Fünf-Jahres-Strategie vorlegen. „Dahinter steckt dann auch frisches Geld.“
Angesichts der wieder gewonnen Stärke ist Zapf jetzt auch für andere interessant. Mit einem „sehr Großen“ der europäischen Baubranche sprechen die Firmenverantwortlichen in diesen Wochen intensiv. Der Konzern mit äußerst ambitionierten Wachstumszielen ist gerade auf Einkauftour – Büsing stapelt tief: „Es ist nichts entscheiden und die Erfahrung lehrt: Man braucht zehn solch ernsthafter Interessenten, um einen festen Partner zu finden.“
Freundschaftlicher Akt
Klar sei aber auch: Sollte aus dem aktuellen Flirt etwas Ernstes werden, würde Zapf nicht leiden. „Es wäre ein freundschaftlicher Akt“, sagt Büsing. Zapfs dickstes Plus in den Verhandlungen, die im September in die zweite Runde gehen: Das Weidenberger Werk und sein Potenzial hat bei den Interessenten Eindruck hinterlassen.
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