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Keine Entwarnung

Europas Energiekonzerne dürfen ihre Netze behalten. Das haben die Fachminister der 27 EU-Mitgliedsstaaten im Energierat beschlossen. Was wie eine gute Nachricht für Bayreuth klingt, ist keine

Bayreuth, 11.06.2008

Wo geht es hin mit E.ON Netz? Derzeit wird die Aufgliederung des Unternehmens vorbereitet. Während sich andere Stromkonzerne seit dem vergangenen Freitag schon mal über die sich abzeichnende Kurskorrektur freuen und darauf hoffen können, dass das Europaparlament der Empfehlung der Energieminister folgen wird, hat sich in der Bayreuther Zentrale von E.ON Netz weder an den Fakten noch an der Stimmung Wesentliches geändert. Grund dafür: Der E.ON-Konzern selbst hatte am Ende angeboten, sich von Teilen seiner Kraftwerkskapazitäten und von seinem Netz zu trennen.

Ein Sprecher von E.ON Netz erklärte gestern auf KURIER-Anfrage, man sehe in der Entschließung des Energierates einen Kompromiss. Demnach solle an der gesetzlichen Pflicht der Energiekonzerne, ihre Netze aus den Konzernen herauszulösen, nicht mehr festgehalten werden.

Ob es tatsächlich so weit kommen werde, sei derzeit noch offen. Die Entscheidung des Europaparlaments stehe aus – dieses habe sich in der Vergangenheit eher für eine Entflechtung ausgesprochen. „Das Veräußerungsangebot von E.ON ist von dieser Entwicklung allerdings unberührt“, so der Unternehmenssprecher weiter. Es handele sich um ein unabhängiges, separates Verfahren mit dem Ziel, dass „im Gegenzug kartellrechtliche Vorwürfe fallen gelassen werden“. Für E.ON hätten politische und finanzielle Risiken eines solchen Verfahrens im Raum gestanden.

Der Geschäftsführer des Europabetriebsrates und Betriebsratsvorsitzende der Unternehmensleitung der E.ON Netz GmbH, Norbert Kupfer, wird deutlicher: Der Energiekonzern habe einer Milliardenstrafe aus dem Weg gehen wollen und habe daher eine Verpflichtungserklärung zur Abgabe von Kraftwerkskapazitäten und der Netze akzeptiert. Welcher Sachverhalt hinter dem angedrohten kartellrechtlichen Verfahren stehe, sei ihm nicht bekannt, so Kupfer weiter. Darüber würden in Kürze die Aufsichtsräte des Energiekonzerns informiert.

Neue Information wird in sehr naher Zukunft auch der Aufsichtsrat der E.ON Netz GmbH mit Sitz in Bayreuth bekommen. Nach Angaben Kupfers arbeitet die Geschäftsführung der Netzgesellschaft daran zwei Organisationsstrukturen für das bisher zusammengehörende Unternehmen zu entwickeln. Demnach sollen die Hochspannungsnetze in eine Gesellschaft, die Höchstspannungsnetze in eine zweite überführt werden. Vom Höchstspannungsteil werde sich E.ON wohl trennen. Auch nach einem Besuch und expliziter Nachfrage in der Münchner E.ON- Energie-Zentrale am vergangenen Freitag lägen ihm keine anderen Informationen vor, so Kupfer weiter.

Bei einer Betriebsversammlung, die dieser Tage in Bayreuth stattgefunden hatte, sei den E.ON-Netz- Mitarbeitern zugesichert worden, sie würden künftig zeitnah über die Entwicklungen informiert. Konkret soll die Belegschaft Ende nächster Woche über die weiteren Schritte zur organisatorischen Trennung der beiden Unternehmensteile unterrichtet werden.

Lage bliebt unklar

Bis dahin gehen die etwa 200 Mitarbeiter in der Bayreuther Zentrale davon aus, dass knapp die Hälfte von ihnen zu einem neuen Eigner der Höchstspannungsebene wechseln werde. Zu welchen Bedingungen und an welchem Standort dies mittelfristig der Fall sein könnte, ist offen. Als möglicher Standort für den zweiten Bereich, der die Hochspannungsnetze managt, war zuletzt neben Bayreuth auch die Nachbarstadt Bamberg im Gespräch.

Frank Schmälzle



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